Geburtstagsgedanken

von Martin Mühlbauer

Wir leben in einer derartigen Ellenbogen-Gesellschaft. Ich merke das jeden Tag in dutzenden Situationen, sei es im Straßenverkehr wo ständig versucht wird möglichst noch ein Auto zu überholen um dann rücksichtslos und gefährlich rein zu schneiden, oder im Supermarkt wo bei 4 Leuten in der Warteschlange schon alle hektisch “2. Kassa bitte!!” zu rufen beginnen, um beim Öffnen dieser dann hin zu stürmen als wäre morgen Krieg. Ich bin sicher euch fallen ebenfalls endlos Beispiele dazu ein.

Warum ist das so?

Der Grund dafür liegt in dem Monster das sich unsere Gesellschaft im Laufe der Jahrhunderte selbst geschaffen hat – Achtung, ich zeige hier bei der Entstehung wirklich auf Niemanden mit dem Finger. Ein Bankensystem das auf Zinsen (und somit auf dem unvermeidbaren Kollaps) basiert, ein daraus resultierendes Wirtschaftssystem das auf unendlichem Wachstum (in einem geschlossenen System mit endlichen Ressourcen) beruht, eine gewisse Elite an Personen die in diesem System wiederum hochintelligent und höchst kriminell agiert um Bedürfnisse zu befriedigen, die man eigentlich lieber bei einem qualifizierten Therapeuten behandeln sollte (vgl. Psychopathie und Drogenkonsum an der Wallstreet, dazu gibt es endlos seriöse Artikel im Netz, z.B. im Wall Street Journal). All das und noch vieles mehr ist die Basis, die die 94% aller von Grund auf unschuldigen und liebenswerten Menschen tagtäglich in ein solches Verhalten drängt.

Von Kindheit an

Die Konditionierung beginnt nämlich schon vom Kindesalter an. Wer hat in der Schule die besten Noten? Wer ist der Beste im Sport? Wer ist cool und wer ist ein Loser? Leistung findet Anerkennung, Konformität wird gelobt. Individualität wird bestraft und Kreativität geht verloren. Denn Standardisierung ist schlichtweg der effizienteste Weg in einer technischen Gesellschaft.

Armes, reiches Mädchen

Von Früh auf lernen wir: “Ohne Fleiß kein Preis”, “Schönheit muss leiden”, und “Zeit ist Geld”. Dank neuer Technologien ersparen wir uns Unmengen an Zeit und haben dennoch immer weniger. Eine auf Gewinnmaximierung angewiesene Industrie tut ihr Bestes, damit wir uns ständig unglücklich und unvollkommen fühlen, weil wir zu wenig materielle Dinge besitzen. Teilweise sind sogar die “wohlhabendsten” Länder gleichzeitig auch die unglücklichsten (vgl. Wohlstandsparadox, Happiness Index). Bzw. macht die Erfüllung von materiellen Grundbedürfnissen zwar schon zufrieden, eine Steigerung dieser führt jedoch nicht zu einer Steigerung des Wohlbefindens, jedoch zu viel mehr Problemen. Leute die da nicht mehr mitspielen und das Land verlassen, werden als faule Nichtsnutze und Aussteiger abgetan. Obwohl da Neid bestimmt oft eine gewisse Rolle spielt, denn so ein Schritt benötigt sehr viel Mut und Selbstvertrauen welches nur sehr wenige Menschen aufbringen können.

Trotz all dem muss man sehr aufpassen, seine Wahrnehmung nicht zu sehr auf diese negativen Aspekte zu fokussieren. Denn unsere Psyche funktioniert leider so, dass wir die Dinge dann polarisieren und nur mehr das Schlechte sehen. Fokussiert man sich stattdessen auf die kleinen, schönen Dinge, findet man auch immer wieder das “Gute” in Menschen und bemerkt, dass eigentlich niemand aus tiefstem Herzen so sein möchte.

Warum tun es dann dennoch so viele?

Ganz simpel: weil es (leider) hervorragend funktioniert. Frechheit siegt, der Stärkere setzt sich durch und sowas wie Karma und Gerechtigkeit gibt es nicht. Allein österreichische Kriminalstatistiken zeigen dass 80% aller Straftaten niemals aufgeklärt werden (auch wenn das jetzt etwas überspitzt klingt). Psychologische Selbstschutzmechanismen sorgen dann dafür, dass man sich sein Verhalten schönredet, sich selbst Ausreden erfindet, oder es gar verdrängt (vgl. Theorie der kognitiven Dissonanz).

Was kann man also dagegen tun um in einer angenehmeren Welt zu leben?

Meine Lösung für das Problem ist, ganz “einfach” nicht mitzuspielen.

–> The only way to win, is not to play. Tweet!

Ich setze da so gut ich kann bei den kleinsten Dingen an. Lasse Autos rein wenn sie das möchten auch wenn sie vorher unfair überholt haben, beginne nicht zu blinken und zu hupen wenn ich geschnitten werde, und stehe an der Kassa lieber mal zwei Minuten länger an als zu laufen und zu raufen (um bei den vorhin genannten Beispielen zu bleiben).

Eines muss einem dabei von vornherein klar sein: mit dieser Methode zieht man tatsächlich oft den Kürzeren. Aber ihr würdet es nicht glauben wie viel inneren Frieden und Zufriedenheit man dabei gewinnt, wenn man einfach mal entspannt durchatmet und die Hektik bewusst wegschaltet. Stress lässt sich natürlich nicht immer vermeiden, aber die Art und Weise wie man damit umgeht, macht einen enormen Unterschied. Denn das meiste Hetzen ist tatsächlich vermeidbar. Einfach mal etwas weniger auf einmal vornehmen und kein Einserschüler mehr sein! Etwas weniger Überstunden machen und sich den neuen Fernseher absichtlich ersparen!

Über den Autor:

Martin photographiert gerne (und gut!) und hat (wie Lisa) die Passion zum Freitauchen. Er war von Kind auf Vollblut-Materialist & Technikfreak und verzichtet seit einiger Zeit bewusst immer mehr auf materielle Dinge. Nicht um mehr Geld für etwas anderes zu haben, sondern einfach um weniger Sorgen zu haben. Heute ist sein Geburtstag. 

Deine Meinung zählt! Wo stresst Du (unnötig) und wie hat Dich dieser Artikel inspiriert, etwas loszulassen?

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