Multiple Sklerose, Neurodermitis und Rohkost. Ein Erfahrungsbericht.

Im Spätsommer/ Herbst 2013 bekam Sophia die Diagnose Multiple Sklerose. Hier erzählt sie wie sie damit umging:

Ich weiß gar nicht Recht, wo ich anfangen soll…Ich versuche es mal am Anfang: ich bekam im Spätsommer/Herbst 2013 die Diagnose Multiples Sklerose. Das hat mir erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen, das sollte meine ganze Welt verändern. Da bist du knapp 30 und stehst mitten im Leben und dann klatscht dir das Schicksal eine vor den Latz.

 

STATT IN-SELBSTMITLEID-BADEN LIEBER LEBEN UMKREMPELN  Tweet!

Ich beschloss, nachdem ich die Phase des In-Selbstmitleid-baden-und-fast-Ersaufens hinter mir gelassen hatte, mein Leben einmal komplett umzukrempeln und dann zu schauen, was davon Brauchbares übrig bleibt. Ich entmistete auch meinen emotionalen Kleiderschrank, und gab den ganzen angefallenen Ballast weg. Das bedeutete, dass sich mein Freundes- und Bekanntenkreis extrem verschlankte und ich mir vornahm, wirklich nur noch die Dinge zu tun, die mir gut tun würden,  und auf die ich wirklich Lust hätte.  Nun war es an der Zeit, an MIR etwas zu ändern, und das nicht nur ein wenig.

Ich las viel über gesundes Leben, damit verbunden auch über Ernährung und fand viele Berichte von Menschen, die die ganzen Symptomgruppen, die ich durch meine Krankheit und dessen schulmedizinischen Behandlungsmethoden erhalten hatte, auch hatten – und dass diese Leidensgenossen durch Rohkosternährung z.B. Linderung erfuhren oder sogar geheilt wurden.

Das war‘s! Das sollte mein Weg sein. DAS WILL ICH AUCH!

Ich will auch gesund werden, ich will meine Neurodermitis loswerden, auch meine Verdauungsbeschwerden, die Vergesslichkeit und ich möchte wieder Herrin über meinen Körper sein.  Ich möchte gern wieder ohne diese Wattewolken im Hirn denken können, mir wieder einfach nur merken können, einen relativ normalen Alltag bestreiten können, ohne nach 3 Schritten mich wankend irgendwo anhalten zu müssen, oder nach 3 Treppenstufen schniefend am Geländer zuhängen. Rückblickend war ich echt ein übles Wrack.

Der Schlüssel zum Erfolg

Und dann kam der 19.03.2014. Als ich an dem Abend ins Bett ging sagte ich mir: ab morgen mach ich dieses vegane Rohkostding. Ich hatte nur sporadisch ne Ahnung, worauf ich mich da einließ. Zuerst war mein Leidensdruck groß genug, um eine radikale Ernährungsumstellung herbeiführen zu wollen. Das war glaube ich der Schlüssel zum Erfolg. Also fing ich erstmal an, blauäugig und völlig ahnungslos, in welche Welt ich mich hier begeben werde. Ich fing an mit Raw till 4*, ohne das bis dato auch nur etwas davon gehört zu haben. Jedoch war das für mich irgendwie nicht das richtige, also stieg ich nach 4 Tagen auf volle Rohkost um. Es gab also ausschließlich Salat.

MIXEN, DÖRREN, SMOOTHEN

Und dann lernte ich den ersten Vollrohköstler kennen und löcherte ihn mit Fragen. Danach qualmte mir der Kopf, aber ich war voll motiviert und voller Tatendrang, denn jetz hatte ich erfahren, was man alles noch tun kann: mixen, dörren, smoothen (gibt’s das Wort? Sicher nicht, aber es passt grad so gut), Kuchen, Schoki, Pralinen, Süßigkeiten, Cracker, Kekse….die Welt des genussvollen Schlemmens eröffnete sich mir und ich begann wie verrückt zu experimentieren. Mittlerweile habe ich in einen Profi Mixer, Dörrgerät und  Destilliergerät investiert, seit dem ist die Essenzubereitung eine wahre Freude. Jetzt, so nach nem halben Jahr bin ich glaub ich ganz gut im Thema angekommen und was hat sich in der Zwischenzeit bei mir alles getan, was die Gesundheit angeht?

DIE EFFEKTE DER UMSTELLUNG AUF ROHKOST AUF MEINE GESUNDHEIT

Meine Neurodermitis: verschwunden! Meine Verdauungsbeschwerden: weg! Mein Kopf: ist wieder klar und funktioniert fast wieder wie früher! Ich bin auf einem guten Weg. Jedenfalls empfinde ich es so, ich war noch nie so energiegeladen, habe noch nie so wenig Schlaf gebraucht, hatte noch nie so ein gutes Körpergefühl. 

Ich glaube auch, dass ich meinen zweiten MS Schub durch die gesunde Ernährung besser weggesteckt habe, denn die fiese Krankheit ist noch lange nicht besiegt, aber nach dem Austausch mit anderen MS-Kranken, habe ich festgestellt, dass ich mich schneller regenerierte und wesentlich besser mit der ganzen Situation umgehen konnte. Es blieben die Depressionen aus, ich konnte meine Bewegungseinschränkungen nach nur wenigen Wochen bereits wieder fast komplett zurückgegangen waren. Jaa, bei jedem ist MS anders, wer weiß das besser, als jemand, der damit gebeutelt ist, aber eine Spastik im Knie ist und bleibt nun mal eine Lähmungserscheinung und diese war nach einer kurzen Zeit schon wieder erträglich. Versteht mich bitte nicht falsch, ich will nicht jammern und auch diese Sätze, wie z.B.: Warum ich? Und all das, hier aufwärmen. Ich verstehe die Krankheit als Chance, denn ohne diesen Grund, wäre ich nie auf den Trichter gekommen, mal bei vielen Dingen nachzufragen und die Ernährung umzustellen. Ich glaube, es musste genau so kommen, damit ich meinen Weg finde.

Es gibt aber auch einen Nachteil dieser Ernährungsweise. Denn es ist erst der Beginn. Es ist der Beginn der Informationssucht. Ich fing an mich mit Gesundheitsthemen im Allgemeinen zu beschäftigen weil ich merkte, dass mir vegane Ernährung gut tat. Ich habe ein so friedliches Gefühl jetzt und bin mehr nicht mehr so schnell gereizt und mein Temperament ist ein lauschig plätscherndes kleines Quellgewässerchen im Gegensatz zu den Niagarafällen, die ich vorher war. Dadurch, dass ich kein Fleisch mehr esse, nehme ich auch keine Todesangst, keine Qualen und Ängste der Tiere mehr auf, ich bin einfach wieder nur ich, ohne Fremdeinflüsse.

Es ist herrlich.

Ich habe begonnen wieder mehr auf mich und meine Umwelt zu achten und es fühlt sich toll an….und da ich weiß, dass ich erst am Anfang stehe, bin ich sehr gespannt, was mich noch erwartet. Ich könnte wohl noch seitenweise so weiter schreiben, aber ich glaube dieser erste Einblick sollte erstmal ausreichen, um einen Einblick zu bekommen, was die Umstellung auf Rohkost alles bewirken kann.

Und jetzt freue ich mich über Eure Kommentare, Anmerkungen, Anregungen und weiteren Austausch.

Folgt Sophia außerdem auf ihrem Facebookblog, wenn ihr wissen möchtet, wie es bei ihr weitergeht.

 *Raw Till 4: Bis 1600 Rohkost essen, danach vegane Kost, egal ob roh oder gekocht.
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Willst auch Du Deine Geschichte auf Rohtopia erzählen?  Schick mir einfach ein Mail!

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12 comments

  • Hallo Sophia!

    Vielen Dank für deinen Bericht! Ich finde ihn sehr interessant und auch schon toll zu lesen was nach relativ kurzer Zeit der Ernährungsumstellung schon so passieren kann.

    Ich selbst habe Hashimoto und wurde erstmal mit Schilddrüsenhormone abgespeist, nach einem halben Jahr ging es mir damit fünffach so schlecht wie vorher (ich hab damals zu dem Zeitpunkt übrigens selbst geglaubt das ich jetzt auch noch MS habe, denn ich hatte Lähmungserscheinungen, Kribbeln, wahnsinnigen schwindel etc…aber das hing wohl alles mit dem extrem Schub des Hashimoto zusammen)…ich bin dann irgendwie auf grüne smoothies gestoßen (das war Mai 2013) und hab dann ganz zack von normaler Ernährung auf vegan umgestellt und es ging mir etwas besser…nicht super toll…aber besser. Im September 2013 habe ich entschieden das ich aufhöre Gluten zu essen und mehr Rohkost zu mir nehme….und das war der entscheidende Wendepunkt.

    Ich bin auch jetzt nach über einem Jahr keine Vollrohköstlerin (aber vielleicht werde ich es ja mal?) aber ich fühle mich sooo gut wie schon ewig nicht mehr! Ich denke es hängt sehr viel mit der Ernährung zusammen aber auch mit der emotionalen Weiterentwicklung die man dabei macht (ich hatte z.b. das erste Mal das Gefühl das meine Ernährungsumstellung ein echter Akt der Selbstliebe ist und das mir da erst aufgefallen ist wie ich früher zu mir selbst war und wie sehr ich immer gedacht habe ich muss es allen anderen Recht machen und so sein wie andere mich wollen etc….damit war dann schluss).

    Ich schleiche jetzt grad meine Schilddrüsenhormone aus, wovon mein Arzt nicht sooooo begeistert ist, aber er ist auch bereit sich überraschen zu lassen. Und ich denke positiv!

    Upps, jetzt hast du auch gleich ein Bericht von mir bekommen….was ich eigentlich sagen wollte, ich glaube ganz viele Autoimmunerkrankungen wie Hashi und auch MS , aber auch Allergien etc…hängen mit dem DArm, der Ernährung und der Psyche zusammen und in deinem Text kann man das gut erkennen,weil sich ja nach so kurzer Zeit schon Erfolge zeigen.

    Ich wünsche dir alles Gute weiterhin

    Jen

    • Liebe Jen, vielen herzlichen Dank für Deine schöne Nachricht und die vielen persönlichen Details – DANKE! Ja Selbstliebe macht einen Riesenunterschied, und man glaubt es meist erst wenn man “soweit ist”. Vorher merkt man meist gar nicht wie gemein man zu sich ist. Man merkt ja oft auch erst später wie schlecht es einem zu einem früheren Zeitpunkt wirklich ging.
      Alles alles Gute mit Deinem “Schleichweg”!

      Lisa & Sophia

  • Hallo Sophia, meine Mutter hat seit 1994 MS, ich habe mich in den letzten 15 Jahren sehr intensiv mit Ihr auseinandergesetzt. Bei meiner Mutter ist es so, dass die eingne Stimmung sehr mit Ihrer Wohlbefinden in zusammenhang steht. Es gibt eine Frau, die es geschaft sich von der MS zu heilen. Wir haben ein Video von Ihr. Ich muss es nur suchen, dann kann ich dir den Titel schreiben.
    Danke für deinen Beitrag

    Lieber Gruß

    Martin S

  • Hallo ihr Lieben,

    ich habe gar nich so schnell mit so viel Feedback gerechnet und bin etwas überwältigt davon. Erst einmal ein großes Dankeschön zurück an Lisa, die mir die Chance einräumte hier ein paar Zeilen loszuwerden.
    Ich freue mich, wenn ich einige von Euch ein klein wenig Inspirieren kann, dann habe ich mein Ziel ja schon erreicht….Spaß beiseite, ich bastel gerade an meiner neuen Homepage, da werde ich etwas ausführlicher über mich, meinen Weg und das Thema Ernährung umgehen. Vielleicht mögt ihr mir ja dann auch ab und an mal einen Besuch abstatten.

    @JEN: vielen Dank für deinen offenen Bericht, Hashimoto stand bei mir kurz auch mal auf der “eventuell”-Liste, daher kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen. Ernährung ist meiner Einschätzung nach der Schlüssel zum Glück und Einklang mit sich selbst. Wie du schon sagtest, es ist der erste und wichtige Schritt zu vielen Erkenntnissen. Und die Welt die danach auf einen wartet ist soo unglaublich gut ;)… Ich würde mich freuen, wenn ich dort einige von Euch wiedersehen würde ;).

    @Martin: über den Link würde ich mich tatsächlich sehr freuen.

    Vielen Dank für Eure Zeit!

    Liebe Grüße

    Sophia

  • Liebe Sophia und Lisa,

    danke für eure Antworten :o)

    Und ja Sophia, würde gern mal bei dir auf der Homepage vorbeischauen, wenn sie soweit ist….ich denke du wirst die Adresse dann ja hier (?) bekannt geben oder?

    Sonnige Grüße aus der Nähe von Hannover

    wünscht Jen

  • Noch ein Nachtrag an LISA!!!

    Ich weiß gar nicht ob ich vor dem Erfahrungsbericht von Sophia jemals ein Beitrag hier hinterlassen habe???

    Auf jedenfall wollte ich dir nur sagen das du eine ganz tolle Seite hast (nur leider dauert sie bei mir manchmal seeehr lange bis sie geladen ist, oder kann gar nicht geladen werden). Auf jedem Fall wollte ich dir DANKE sagen für deine schöne Seite, deine tollen You-Tube-Videos (darüber habe ich dich übrigens “kennengelernt”).

    Du kommst sehr sympathisch rüber und hast einfach eine Hammerausstrahlung….so das musste ich noch los werden.

    LG Jen

    • Liebe Jen danke! Die Seitengeschwindigkeit sollte bald verbessert sein, zumindest arbeiten wir dran 🙂
      Danke für Deine Komplimente, das ist ein guter Ansporn!
      Herzlichst, Lisa

  • Liebe Sophia,

    mit großem Interesse habe ich Deine Geschichte gelesen. Ich selber habe seit 28 Jahren MS mit vielen Hochs und Tiefs, habe immer versucht möglichst auf Medikaments zu verzichten, was nicht immer geklappt hat, da mein Umfeld mich wieder und wieder bearbeitet hat, doch wieder was auszuprobieren, zuletzt Fampyra. Da mir das jedoch auch nicht sehr viel gebracht hat (meine Gangunsicherheit hat sich nur geringfügig gebessert) bin ich durch eine Bekannte auch auf Rohkost gestoßen, habe dann viel gelesen und mich informiert und lebe jetzt konsequent seit 6 Monaten rein von Rohkost. Leider warte ich jeden Tag auf den großen Durchbruch, ich muß sagen, daß sich mein Zustand leider seitdem immer mehr verschlechtert hat. Tag für Tag mach ich mir Gedanken, was ich eigentlich falsch mache und auf was ich noch achten kann. Ich bin verzweifelt, da ich mir davon sehr viel versprochen habe! Hättest Du vielleicht eine Idee was noch sehr wichtig ist und was ich vielleicht außer Acht gelassen habe? Ich würde mich riesig über eine Antwort freuen!!

    LG Inge

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